Also ich wollte mal wieder ein Buch für die Reading Challenge lesen. Eine meiner offenen Kategorien war "Muslim American author" Ich hab nach einer Geschichte gesucht die nicht einer "Lebenserfahrungsgeschichte" entspricht oder in die Kategorie "Sachbuch/Aufklärung über das Leben als Muslim American" fällt. Gefunden habe ich:
Mad, bad & dangerous to know von Samira Ahmed
Zur Story: Khayyam ist Amerikanerin, verbringt aber wie jedes Jahr die Sommerferien in Paris, in der Wohnung die ihr Vater geerbt hat. Sie ist 17 und hat sich ihr gaaaaanzes Leben versaut (im Sinne dass ihr pseudowissenschaftlicher Essay über Alexandre Dumas, Delacroix, and Lord Byron. mit dem sie sich zum Kunstgeschichtestudium anmelden wollte von der Jury/den Lehrern komplett verrissen wurde und sie sich vor der gesamten Community lächerlich gemacht hat und jetzt wahrscheinlich nicht auf die Uni ihrer Wahl kommt). Echter Weltuntergang für eine Teenagerin.
In Paris begegnet sie zufälligerweise Alexandre Dumas, einem Nachfahren des "echten" Alexandre Dumas (wie praktisch!). gemeinsam begeben sie sich auf eine Schnitzeljagd auf der Suche nach der geheimnisvollen Haremsfrau, welche Briefe von Dumas, ein Gedicht von Lord Byron und ein Gemälde von Delacroix inspiriert hat und das Thema von Khayyams Essay war, Zufälle gibt's... Dazwischen kommt auch immer mal wieder Khayyams narzisstischer Exfreund aus Amerika vor der sie quasi ghostet, aber sie waren ja nie offiziell zusammen, aber er hat gesagt er liebt sie, aber er postet Bilder mit anderen süßen Mädchen auf Insta, Drama, Drama, Drama! Man merkt schon, die Teenies und ich wir habens nicht mehr so ;)
Eingeflochten zwischen Khayyams Story befinden sich die für mich wirklich interessanten Kapitel. Leilas Geschichte. Eben die oben erwähnte Konkubine. Die (viel zu kurzen) Kapitel erzählen über Leilas Leben im Harem, ihre Flucht und ihr Leben danach.
Darüber hätte ich gerne viel, viel mehr gelesen und weniger vom Teenager-Schmarrn.
Was das Buch sehr gut macht ist Khayyams leben als muslimische Amerikanerin mit Indischer Mutter darzustellen, die noch dazu perfekt Französisch spricht. Die klassischen Alltagsrassismen wie "Wo kommst du wirklich her?" etc., die Definition von Heimat und Zugehörigkeit die Khayyam für sich selbst finden muss...
Das Thema das für mich aber am Besondersten war und warum mir das Buch dann doch sehr gut gefallen hat, war die Thematisierung der Darstellung von Frauen in Literatur und Kunst, insbesondere muslimischen Frauen und dass diese ihre Geschichte nie selbst erzählen durften sondern ihnen Worte von Männern (meist weißen Männern) in den Mund gelegt werden. Bestenfalls, meist ist die Muslimin sowieso unterwürfig und spricht nicht.
Ein Beispiel das mehrfach gebracht wird ist das bereits erwähnte Gedicht "The Giaour" von Lord Byron, ein Eintausenddreihundert (1300!) Zeilen langes Gedicht über eine Haremsfrau die eine Affäre hat und dafür grausam ungebracht wird. In diesen ganzen 1300 Zeilen kommen 3 Erzähler vor, allesamt Männer und noch besser, die Konkubine kommt nicht einmal zu Wort, in 1300 Zeilen....
Als Fazit, ich hätte gern noch viel mehr von Leila gelesen und viel, viel weniger von Khayyam. Mein ursprüngliches Ziel mit dem ich dieses Buch ausgesucht habe konnte ich aber voll erfüllen. Als fetten Bonuspunkt hat es mich dazu gebracht über ein Thema nachzudenken dass ich so noch gar nicht auf dem Schirm hatte. #tellHerstory

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