Juni

Das Spiel ist fertig (spielt es mal! Artischocken auf Board Game Arena), also hab ich wieder mehr Zeit zum Lesen gehabt.

Asaro, Catherine [Nebula 2002]: The Quantum Rose: Ein Beziehungsdreieck im Rahmen von interstellaren Kriegen. Die Autorin hat eine Physikerinnenausbildung und die Geschichte basiert strukturell auf Quantenmechanik. Gut geschrieben, in der Mitte hab ich mir schwer getan mit der Hauptfigur, aber dann wurde es wieder besser. Hat mir gut gefallen.

Bear, Greg: Moving Mars [Nebula 1995]: Mond und Mars sind von Menschen besiedelt. Politisch ist der Mars in viele kleine Gesellschaften gespalten. Die Menschen auf der Erde haben sich psychologisch weiterentwickelt, üben aber trotzdem (oder deswegen?) Druck auf den Mars auf, sich zu vereinigen. Aus der Sicht einer Frau, die politisch auf dem Mars immer wichtiger wird, werden politische und technologische Umbrüche gezeigt. Teilweise sehr interessant, weil der Autor viele Ideen bringt und sie gut vermischt, manche Kapitel sind dann einfach nur wieder Action und haben mich nicht interessiert. Wegen der Ideen aber durchaus lesenswert.

Bechdel, Alison: The Secret to Superhuman Strength: Autobiographische Graphic Novel über ihr Leben und ihren Bezug zu Sport, ihre Beziehungen, ihren Ehrgeiz und ihre Abschottung von anderen. Bisschen schwer nachzuerzählen, aber ich fand es sehr interessant.

Bennett, Robert Jackson: Shorefall [The Founders Trilogy 2]: Ein tot geglaubter Hierophant kehrt zurück und will seinen alten Plan fortsetzen, aber auch eine alte Widersacherin tritt wieder auf den Plan. Viel Action, und ich dachte eigentlich, es wird eine Duologie, aber dann war es doch plötzlich ohne Auflösung aus. Bin mir nicht ganz sicher, was er im dritten Band vorhat, es war eigentlich alles aufgestellt für ein gutes Ende am Ende dieses Bands. Schnell zu lesen, aber irgendwie unbefriedigend.

Bujold, Lois McMaster: Falling Free [Nebula 1989]: Ich hatte das vor langem schon mal gelesen, glaube ich... Auf einer abgelegenen Raumstation wurden Menschen mit 4 Armen (statt 2 Armen und 2 Beinen) gezüchtet, um im Weltraum effizienter zu arbeiten. Menschenrechte wurden ihnen aber verwehrt. Als sie technisch obsolet werden, versucht ihnen einen ihrer Lehrer zu helfen. Nett, aber sehr straightforward mit sehr klarer gut/böse Verteilung. Vielleicht als YA gedacht?

Butler, Octavia E.: Parable of the Talents [Earthseed 2] [Nebula 2000]: In einer nicht mehr fernen Zukunft ist die Welt (insbesondere Amerika) großteils zusammengebrochen und kleine Dörfer und Städte kämpfen ums Überleben, immer bedroht von Angreifern. Die Hauptfigur hat eine Gemeinschaft gegründet, um ihr Gottesbild (God Is Change) zu verbreiten und die Menschheit ins Weltall zu bringen, und steht damit im Konflikt zur christlichen Regierung. Die Gemeinschaft wird überfallen und versklavt, ihre Tochter entführt. Sie versucht dann auf anderen Wegen ihr Ziel zu erreichen. Die Tochter erzählt in einer Rahmenerzählung eine Rückblende auf das Leben der Mutter. Es passiert viel Schreckliches und wenig Gutes, und ich bin mir nicht sicher, was das Buch zeigen soll, außer dass Sklaverei ein Verbrechen ist. Ein schwer zu lesendes Buch.

Clark, P. Djèli: The Haunting of Tram Car 015: Ein Agent des Ministeriums für Übernatürliches und sein Helfer müssen aufklären, warum es in einer Tram spukt, und den Spuk beenden. Daneben gibt es gerade Proteste und Kundgebungen für das Frauenwahlrecht, weil wir in den 1910er Jahren in einem Kairo sind, in einer Welt, in der es seit ca. 50 Jahren Magie gibt. Interessante Welt, etwas fade Geschichte.

Clark, P. Djèli: Ring Shout: Diesmal nicht in Ägypten, sondern in den 1920er USA angesiedelte Geschichte über eine Gruppe Schwarzer, die gegen Ku Klux Monster kämpfen, die aus Klansmännern entstehen und die nur sie erkennen können. Nicht uninteressantes Setup, aber es drängte sich mir gleich der Gedanke auf, dass das eine Allegorie sein soll und entweder sie war sehr banal (Haß ist doof) oder ich hab sie nicht verstanden. Seine Geschichten in Ägypten fand ich vom Weltenbau interessanter.

Dancy, Chris: Don't Unplug: Ein Mann, der schon in den 90ern Quantified Self voll ausgelebt hat und es dann immer weiter getrieben hat, erzählt von seinen Setups und seinen Problemen und Lösungsstrategien auf menschlicher Ebene, natürlich mit Computerunterstützung. Einblick in eine sehr sehr andere Lebenswelt. Ich mag sein Leben nicht haben.

Hobb, Robin/Lindholm, Megan: The Inheritance and Other Stories [SSC]: Eine Sammlung oft sehr düsterer Kurzgeschichten mit Fantasy/SF Touch.

Landragin, Alex: Crossings: Drei Geschichten über Baudelaire, Walter Benjamin und eine Frau auf einer weit entfernten Insel, die ihre Seele mit anderen Leuten tauschen kann. Das Buch kann auf zwei Arten gelesen werden: als drei separate Geschichten oder als eine verzahnte. Strukturell schön gemacht, gut erzählte Geschichte!

Manne, Kate: Down Girl: Essays über Misogynie und wie Frauen immer noch unterdrückt werden, und die Mechanismen dahinter. War mir ein bisschen zu wissenschaftlich, ich hab nicht viel mitnehmen können, außer dass der Begriff immer noch absichtlich missverstanden wird und es nicht um die Absicht, sondern das Verhalten geht.

Martine, Arkady: A Desolation Called Peace [Teixcatlaan 2]: Die Diplomatin aus dem ersten Teil wird beim Erstkontakt mit den Aliens zugezogen. Parallel dazu wird auch aus anderen Blickwinkeln erzählt (der Flottenkommandantin, des Herrschers-in-spe, einiger anderer). Ich hab mich etwas durchkämpfen müssen. Das Weltaufbauen des ersten Teils war einfach vorbei und die Charaktere und Geschehnisse haben für mich das Buch nicht getragen. Der Erstkontakt war interessant, aber dann ist es für mich wieder abgeflaut. Schade.

Munroe, Randall: What If?: Anhand irrwitziger Fragen, die der Autor auch selten auf die einfachste Art zu beantworten versucht, hab ich wieder einiges über Physik gelernt. Sehr unterhaltsam!

Oates, Joyce Carol: The Accursed: Geschichten aus und über die High Society in Princeton um 1905, einer sehr sexistischen und rassistischen Gesellschaft, in der unerklärbare Geschehnisse passieren. Erzählt aus mehreren Perspektiven mit sehr unterschiedlichen Stilen. Stilistisch interessant, und angeblich wird es eine Vampirgeschichte, aber mein Interesse hat leider nicht lange genug gereicht -- die Personen sind großteils unsympathisch, niemand, zu dem man halten kann, und es passiert auch recht wenig im Verhältnis zur Textmenge. Nach einem Drittel abgebrochen.

Pierce, Thomas: The Afterlives: Eine Mischung aus Geistergeschichte mit Gedanken zu Leben nach dem Tod und sprechenden Hologrammen (auch nicht so unähnlich zu einem Geist). War flüssig zu lesen, aber hat mich ein bisschen ratlos zurückgelassen, worum es dem Autor ging.

Sawyer, Robert J.: The Terminal Experiment [Nebula 1996]: Zwei Hauptideen werden gut vermischt: Einerseits entdeckt ein Hirnforscher, dass beim Sterben etwas elektrisches den Körper verlässt, was zu allerhand religiösen und damit gesellschaftlichen Problemen führt (die allerdings hauptsächlich in Zeitungsausschnitten an Kapitelenden erwähnt werden); andererseits entwickelt sein Freund eine Methode, Menschen zu digitalisieren und macht Experimente mit den daraus entstehenden künstlichen Intelligenzen. Spannend geschrieben, viele Ideen, nicht alle bis zum Ende gedacht, und die Hauptgeschichte ist ein Eifersuchtsdrama, was mir dann fast zu wenig war. Aber unterhaltsam.

Scarborough, Elizabeth Ann: The Healer's War [Nebula 1990]: Eine Krankenschwester in Vietnam heilt für die Armee GIs und Einheimische. Dabei begegnet sie jemand, der magisch heilen kann. Leicht fantastisch angehauchte eher autobiographische Geschichte der Erlebnisse der Autorin in Vietnam. Ich bin ein bisschen überrascht, dass es den Nebula gewonnen hat, weil es doch sehr geradeheraus Vietnamerlebnisse erzählt und der fantastische Anteil nicht wirklich wichtig ist, aber es ist gut geschrieben.

Swanwick, Michael: Stations of the Tide [Nebula 1992]: Ein Mann sucht einen Zauberber, der angeblich verbotene Technologie gestohlen hat, auf einer Welt, die bald überschwemmt werden wird, und auf der deswegen leichte Weltuntergangsstimmung herrscht. Interessanter Stil, der mir gut gefallen hat, und nicht immer ganz klare Geschichte mit Magie und Technologie. Einiges wird auch nur angedeutet, war ein schönes Leseerlebnis!

Wells, Martha: Fugitive Telemetry [Murderbot 6]: Auf Preservation Station wird eine Leiche gefunden, und Murderbot wird Teil des Teams, das den Mord aufklären soll. Hat mir gut gefallen, vielleicht ein bisschen kurz.


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