Die Welt war furchtbar, grausam, mitleidlos



Ich habe jetzt wirklich laange darüber nachgedacht warum man seinem Kind Tintenherz zum Lesen geben sollte (die Altersempfehlung ist ab 10). Welche Intention haben solche Eltern oder Buchhändler*innen? Geht es darum, dass das Kind so früh wie möglich lernt, dass die Welt ein grausamer Ort ist. Dass es Menschen gibt die böse sind einfach aus Spaß, die Freude haben am Leid anderer haben? Quasi eine Realitätswatsche an Hoffnungslosigkeit? Ich weiß es nicht. Klar, das Buch vermittelt auch den Zauber des Lesens, die Macht der geschriebenen Worte aber über weite Strecken einfach nur Machtlosigkeit gegenüber Stärkeren. Für mich hatte es die ganze Zeit einen sehr düsteren Grundton. 

Kurz zur Geschichte: Maggie lebt alleine mit ihrem Vater Mo, der von Beruf Bücher restauriert. Ihre Mutter ist verschwunden als sie noch ganz klein war, Details erfährt auch die Leserschaft lange nicht. 
Eines Abends steht Staubfinger mit seinem gehörnten Marder vor ihrer Tür und warnt Mo, dass Capricorn auf der Suche nach ihnen ist, weil er unbedingt Mos Exemplar des Buches "Tintenherz" haben will. Am nächsten Morgen brechen sie zu einer Abenteuerfahrt auf, die all ihre Leben verändern wird. 

Ab hier SPOILER :
Capricorn ist nämlich der Bösewicht dieses besagten Buchs und Mo hat ihn, sowie Staubfinger und ein weitere Kerle unbeabsichtigt aus dem Buch herausgelesen mit seiner Fähigkeit so besonders lebendig vorzulesen. Capricorn will alle Exemplare des Buchs vernichten, damit er nie wieder zurück geschickt werden kann und außerdem will er, dass Mo ihm weitere Schergen sowie Schätze aus Büchern herausliest. 
Zuerst versuchen Mo und Maggie zu ihrer Großtante Elinor zu fliehen. Mo wird dann aber doch gefangen, Elinor und Maggie reisen ihm nach. Dann entkommen sie, werden teilweise wieder gefangen, versuchen wieder zurückzukehren und sich gegenseitig zu retten. Dazwischen immer wieder Capricorn und seine Männer die darüber reden, dass sie auf Katzen schießen und sich total auf die Hinrichtung eines ihrer eigenen Bandenmitglieder freuen, Dörfer die angezündet werden, Kinder die in Kerkern schlafen müssen und häppchenweise background zu Maggie Mutter. Wenigstens gab's ein happy end. 

SPOILER ENDE

Fazit: Das war gar nicht meins. Ich hab mich sehr lange gefragt worauf das Buch hinaus will. Der gesamte Hauptplot konnte mich bis zum Schluss nicht abholen. Zum Vergleich : ich habe gerade six of crows gelesen dass viel brutaler ist. In tintenherz wird alles nur angedroht, in six of crows wird alles ausgeführt und beschrieben. Trotzdem war für mich tintenherz viel bedrückende weil dazwischen irgendwie die fröhlichen, hellen Stellen nicht existiert haben. Die Message das Bücher toll sind und uns in andere Welten entführen können fand ich sehr schön aber reißt das halt auch nicht mehr raus. Was ich dem Buch sehr zu Gute halte ist das Ende. Ich weiß dass es weitere Teile gibt aber es ist so geschrieben dass ich es hier wunderbar weglegen kann, mit einem "danke und auf nimmer wiedersehen". Keine Leseempfehlung von mir. 

Ihre Hasität 


 'Das Buch wird anfangen, deine Erinnerungen zu sammeln. Du wirst es später nur aufschlagen müssen und schon wirst du wieder dort sein, wo du zuerst drin gelesen hast. Schon mit den ersten Wörtern wird alles zurückkommen: die Bilder, die Gerüche, das Eis, das du beim Lesen gegessen hast... Glaub mir, Bücher sind wie Fliegenpapier. An nichts haften Erinnerungen so gut wie an bedruckten Seiten.' 

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