Ich mag Bücher, in denen kurz und knackig die Leben spannender Personen zusammengetragen werden. Seit dem Buch "Goodnight Stories for Rebel Girls" gab es da ja vor allem im Bereich "coole Frauen" einen Boom in den letzten Jahren. Von diesen Titeln besitze ich auch ein paar und ich kann oft einfach nicht widerstehen, wenn mir ein neuer unterkommt.
So war das auch bei Queer Heroes. Ich war ganz begeistert von der Idee, dass es so eine Sammlung toller Personen jetzt auch für den LGBTQ-Bereich gibt und das Buch sofort mitgenommen.
Leider hat bei dem Buch ein gutes Lektorat gefehlt. Im Vorwort geht es um Vorbilder und Held*innen, die einem queeren Kind Mut geben. Gleich auf einer der ersten Seiten kommt dann Leonardo da Vinci vor, von dem nicht belegt ist, ob er queer war, es gibt dazu nur Spekulationen. Yay Vorbild? Und so geht es dann weiter. Ja, es kommen echte queere Vorreiter*innen vor, aber dann auch so Leute wie Frida Kahlo, die halt auch was mit Frauen hatte. Wieso? Wer hat diese Auswahl durchgehen lassen?
Als nächstes fällt auf, dass eigentlich nur schwule, lesbische, bisexuelle und trans Personen gezeigt werden (und von letzteren auch nicht viele). Personen die sich als asexuell oder non-binary identifizieren kommen gar keine vor. Da weiß also jemand nicht, wofür das Q in LGBTQ steht. (Man darf anmerken, dass es über Herkunft und Ethnizität eine gute Streuung gibt.)
Und dann sind da die Illustrationen, die ja über weite Strecken gut gelungen sind, aber bei den Wachowski-Schwestern kommt einem echt das Gruseln. Ja, Schönheit liegt im Auge des Betrachters, aber niemand kann mir einreden, dass dieses Bild auch nur ansatzweise schmeichelnd ist. Und klar, nicht alle Menschen sind Schönheiten, aber man kann eine mehr oder minder getreue Wiederhabe sicher schmeichelnder gestalten. Bei Claire Harvey dachte ich zuerst, dass es sich um eine Transfrau handelt. Nein. Sie sieht auch auf Fotos nicht so kantig-männlich aus.
Und dann... die Texte. Normalerweise schaffe ich in so einem Buch immer nur eine Handvoll Einträge, weil mir die Geschichten sehr nahe gehen oder ich sie einfach gut verdauen möchte. Durch dieses Buch bin ich durchgeflogen und das ist kein Kompliment. Es gab nur ganz wenige Texte, die mich ergriffen haben, und das nicht, weil es keine Ergreifenden Schicksale gab. Als Beispiel: Alan Turing. Mehr als die Hälfte des Textes beschreibt seine schulische und universitäre Laufbahn. Für das Knacken des Enigmacodes gibts dann Zwei Sätze und für seine Verurteilung nochmal zwei. Ernsthaft?Ja, ich habe Personen gefunden, die ich vorher nicht kannte und wo ich mich freue, jetzt zu wissen, wer sie sind. Aber als Gesamtes war das Buch wirklich sehr enttäuschend.
Der Meinung ist übrigens auch mein Loverboy, der das Buch in meiner Abwesenheit durchblätterte und mir folgendes Post-it hinterließ:
Alles Liebe und immer eine steife Brise,
Sarah L.




Wirklich schade, die Idee wäre ja gut gewesen! Die Post-it-Geschichte feiere ich! ;)
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