Wie war mein Jänner, fragt ihr?

Ich bin nicht viel zum Arbeiten gekommen. Aber dafür viel zum Lesen, auch nicht schlecht.

Eigentlich wollte ich nicht an der Reading Challenge teilnehmen; ich hab mir nämlich vorher schon die Challenge gestellt gehabt, alle Bücher zu lesen, die einen Hugo-Award gewonnen haben und die ich noch nicht gelesen hatte (oder wo ich mir nicht mehr sicher bin, falls es schon lange her ist). Aber ich hab mir gedacht, ich lese einfach, worauf ich Lust habe, und schaue, ob es in die Reading Challenge hineinpasst. Und überraschenderweise hat das bis jetzt sehr gut funktioniert, ich hab fast alles unterbringen können. Jetzt bin ich sogar motiviert, die Kategorien zu füllen, für die ich Bücher lesen muss, die nicht bereits auf meinem Ebookreader waren.

Einen Post pro Buch schaffe ich nicht, aber hier ist mal ein Überblick drüber, was ich im Jänner gelesen habe; nach Autorinnen:

Anders, Charlie Jane: The City in the Middle of the Night: Kolonisten von der Erde haben eine Welt besiedelt, die klimatisch instabil ist. Die Siedlungen haben sich gesellschaftlich sehr unterschiedlich entwickelt. Die Geschichte wird hauptsächlich aus den Perspektiven zweier sehr verschiedener Frauen erzählt, die einiges erleben, was uns die Welt näher bringt; und auch die Gelet, Lebewesen, die schon auf der Welt waren, bevor die Menschen landeten. Sehr menschlich, sehr vielfältig, sehr unaufgeregt, auch wenn viel auch gewalttätiges passiert. Hat mir sehr gut gefallen. (Auch das Vorgängerbuch von der selben Autorin, All the Birds in the Sky, kann ich empfehlen.)

Asimov, Isaac: Foundation [Foundation Serie 3; so wie Star Wars Teil 4 das älteste aus der Serie; gelesen, weil Teil 6 den Hugo gewonnen hat, damit ich mich auskenne]: Das riesige Sternenimperium geht nach 12.000 Jahren zugrunde. Aber ein Psychohistoriker hat einen Plan, wie das Interregnum bis zum nächsten Reich "nur" 1000 Jahre dauern wird, und plant vor. Episodenhaft wird dann die Entwicklung des Kernplaneten des nächsten Imperiums über die nächsten 200 Jahren erzählt. Flüssig zu lesen, nette leichte Unterhaltung, und für ein SF-Buch aus den 1950ern nicht schlecht.

Asimov, Isaac: Foundation's Edge [Foundation Serie 6; Hugo 1983]: Spätwerk Asimovs. Aus meiner Sicht viel viel zu lang - in den 1950ern hätte er das in max. 200 Seiten runtergeschrieben. Alle Personen erklären genau was sie warum denken, was andere denken, viel zu genau ausargumentiert, und die Handlung ist fad - ein paar Leute werden, vermutlich von einer unbekannten Macht gesteuert, alle zum selben Platz gebracht, einer davon darf eine Galaxis-beeinflussende Entscheidung treffen. Aus meiner Sicht missglückter Versuch, seine frühen Roboterwerke mit seinen frühen Foundationwerken zu verbinden.

Brin, David: Sundiver [Uplift Serie 1; gelesen weil Teile 2 und 3 Hugos gewonnen haben]: Die Menschheit hat Kontakt mit außerirdischen Zivilisationen aufgenommen. Sie hat ein bisschen eine Sonderstellung, weil sie selbst schlau genug für Raumfahrt wurde und nicht jemand anderer ihnen dazu verholfen hat (oder?). Beim Erforschen der Sonne und der dortigen vermuteten Aliens muss die leicht überbegabte Hauptfigur ein oder mehrere Kriminalfälle lösen. Ansatzweise interessant, aber eigentlich bin ich nur dran geblieben wegen der beiden Fortsetzungen.

Bujold, Lois McMaster: The Vor Game [Miles Vorkosigan Serie ca. Teil 8; Hugo 1991]: Herrschersohn Miles mit Unterordnungsproblemen fliegt aus der Armee und wird dann in eine Spionagegeschichte verwickelt, mit viel Abenteuern und Verrat. Liest sich voll flüssig, könnte aber auch völlig ohne SF auskommen (als Militärroman), SF ist eigentlich nirgends wichtig. Ok, aber vermutlich schnell vergessen.

Bujold, Lois McMaster: Mirror Dance [Miles Vorkosigan Serie ca. Teil 14; Hugo 1995]: Miles' Klon Mark will die anderen Klone aus seinem Internat befreien, aber verkackt es. Er und Miles fallen im weiteren Verlauf vielen Feinden in die Hände bzw. sterben teilweise. Ich hab mich ur gelangweilt und es nur fertig gelesen, weil es einen Hugo bekommen hat, die letzten 100 Seiten waren dann halbwegs ok, aber dann kam noch unnötige Folter dazu... hat mir nicht gefallen, und ich glaube im Nachhinein, ich hatte es schon mal gelesen.

Carroll, Siobhan: For He Can Creep [Kurzgeschichte]: Eine Katze legt sich mit dem Teufel an - als sie ihm alleine nicht gewachsen ist, sucht sie Hilfe. Nette kurze Geschichte.

Crouch, Blake: Recursion: Die Erfindung einer Art Zeitmaschine, bei deren Benutzung man an einen früheren Zeitpunkt seines Lebens versetzt wird mit aktuellem Wissen, und was es für Auswirkungen auf die Welt hat, als Actionthriller. Liest sich flüssig, ok, aber auch egal.

Green, Katie: Lighter Than My Shadow: Graphic Novel über eine junge Frau, die Essensprobleme hat. Bedrückend, bringt es sehr gut rüber, wie es ihr gegangen ist.

Sawyer, Robert J.: Hominids [The Neanderthal Parallax Serie 1; Hugo 2003]: In einer Parallelwelt haben die Neanderthaler überlebt und Homo Sapiens ist ausgestorben. Durch einen Unfall bei einem Physikexperiment landet ein Neanderthaler auf unserer Erde. In zwei Strängen wird erzählt wie es ihm auf der Erde ergeht und inzwischen sein Partner des Mordes verdächtigt wird; hauptsächlich, um Leben und Kultur und Gerichtssystem darzustellen. Dabei bleibt es eigentlich auch - durch den Kulturvergleich darzustellen, wie sonderbare Sachen Homo Sapiens toleriert (Gewalt, Umweltverschmutzung, Überbevölkerung, Hunger), ansonsten wirkt es eher wie der Auftakt einer Serie. Eine Vergewaltigung kam auch früh vor, für mich sehr unmotiviert, hat dann später erzähltechnisch ein bisschen mehr Sinn gemacht... trotzdem eher unnötig. Leicht zu lesen, nicht viel Neues.

Sedia, Ekaterina: The Secret History of Moscow: Menschen werden in Vögel verwandelt, andere verschwinden ganz. Ein paar Betroffene (Verwandte) versuchen, den Ursachen auf die Spuren zu kommen und entdecken eine vergessene geheime Unterwelt unter Moskau, in der Menschen leben, die die Welt vergessen hat. Interessanter Einblick in die russische Sagenwelt. Anfangs hab ich ca. ein Drittel des Buches gebraucht, um reinzufinden, aber dann hat es mir wegen der Erzählart und der unaufgeregten Geschichte gut gefallen.

Stephenson, Neil: The Diamond Age [Hugo 1996]: Matter Compiler können alle Dinge des täglichen Bedarfs erzeugen. Die Menschheit ist in freiwillig gewählten Phyles (Gruppierungen) aufgeteilt. Eine davon ahmt das viktorianische Leben nach. Zur Erziehung seiner Tochter lässt sich ein viktorianischer Lord ein halb-AI Buch bauen, mit dem Mädchen zu leicht subversiven Menschen erzogen werden. Die Handlung folgt viel einem davon. Sehr schön erzählte Welt, viele interessante Charaktere. Ich hab das Gefühl gehabt, dass der Autor nicht ganz gewusst hat, was er dann mit der Welt machen soll; die Geschichte ist gegen Ende etwas abrupt aus und nicht ganz des Buchs würdig. Hab es aber trotzdem sehr gern gelesen.

So, das war's für den Jänner; falls ihr eins der Bücher lest (oder gelesen habt), würde mich interessieren, wie es euch gefallen hat!

Kommentare

  1. Freu mich gerade sehr, dass du den Post formuliert hast - hab schon gesehen, dass du wieder mal einige interessante Titeln in der Tabelle angegeben hattest. Die Hugo-Awards zu lesen klingt jedenfalls nach einen spannendem Unterfangen! =)

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  2. Sehr cool, von denen hat mich nichts angelacht. Ich warte auf Februar :D

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