Ausgangssperren sind doch zu was gut - ich bin mit den Hugogewinnern für Bestes Buch durch.
Einige der Bücher haben mich leider sehr genervt (siehe auch meine Besprechungen im Februar), aber dafür waren auch ein paar gute Bücher dabei, die ich sonst sicher nie gelesen hätte - z.B. Dune, weil von dem dachte ich, dass ich es schon mal gelesen hatte (hatte ich aber nicht, vermutlich einen der Nachfolgebände). Die Bücher von Pohl gefielen mir gut, und Zelazny stand auf meiner lese-ich-vielleicht-mal-Liste, so wurde es halt früher statt später :)
Blish, James: A Case of Conscience [Hugo 1959]: Zwei halbe Bücher zum Thema eines fremden Planeten mit intelligenten Lebewesen; ein Mitglied des Erstkontaktteams vermutet sogar, dass es eine Falle des Teufels ist. Der Teil gefiel mir gut, mit dem zweiten Teil, wo ein verzogener/verwirrter Außerirdischer auf die Erde kommt, hab ich wenig anfangen können.
Brown, Pierce: Red Rising [Red Rising 1]: Ein Unterdrückter wird von einer Untergrundbewegung in eine Schule für die Elite eingeschleust und muss dort brillieren, um später das System von innen zerstören zu können. Sklavenbefreiung ist natürlich ein gutes Motiv, aber ansonsten hat mir wenig gefallen am Buch - viel Kampf und Betrug, wenig anderer Inhalt; und eher ziemlich brutal ist es auch zwischendurch. Finger weg. (Der Anlass hier war, dass es jetzt ein Stonemaier Games Spiel in dem Setting gibt und Jamie die Serie so hoch gelobt hatte... wir haben anscheinend einen stark unterschiedlichen Buchgeschmack...)
Clifton, Mark & Riley, Frank: They'd Rather Be Right [Hugo 1955]: Ein Telepath und Menschenbeeinflusser und zwei Wissenschaftler haben einen Computer gebaut, der vorurteilslos Fragen beantwortet. Und auch gleich Unsterblichkeit verleihen kann, wenn man nur von allen fixen Ideen ablassen kann. Soziologisch interessantes Gedankenexperiment aus den 1950ern mit Berührungspunkten zur aktuellen KI-Entwicklunge, wobei sich der vorurteilsfreie Teil des Konzepts in letzten Jahren als leider unrealistisch herausgestellt hat.
Heinlein, Robert A.: Double Star [Hugo 1956]: Ein Politiker verschwindet, und ein Double muss für ihn übernehmen. Dabei rutscht dieser immer mehr in die Persönlichkeit des Politikers hinein. Bis auf das Setting eigentlich kaum Science Fiction, aber unterhaltsam.
Heinlein, Robert A.: Starship Troopers [Hugo 1960]: Ich glaub, ich hab den als Kind schon mal gelesen, aber nur die letzten Kapitel waren in meiner Erinnerung. Die Menschheit kämpfen gegen die "Bugs", und aus der Sicht eines Soldatenanwärters aus reichem Haus wird gezeigt, wie die Militärausbildung läuft (vermutlich stark angelehnt an die aus der Zeit). Inhaltlich wird argumentiert, dass nur die, die für ein Land zu kämpfen bereit sind, auch wählen dürfen sollen... was dem Buch auch einiges an Kritik einbrachte. Abgesehen von einigen SF-Elementen hätte man das als militärische Geschichte in fast jeder Zeit spielen lassen können.
Herbert, Frank: Dune [Dune 1] [Hugo 1966]: Intrigen zwischen Adeligenfamilien, dem Kaiser und einer Sekte, die ein jahrhundertelanges Zuchtprogramm mit Menschen durchführt, um einen Supermenschen zu züchten - unerwarteterweise mit Erfolg, aber dann halt auch leider nicht unter ihrer Kontrolle. Spielt auf einem menschenfeindlichen Wüstenplaneten, dessen Langzeitbewohner als übermenschliche Kämpfer stilisiert werden. Fast schon erstaunlich gut geschrieben sticht es aus den anderen Hugopreisträgern des Jahrzehnts (und auch danach) heraus, unterhaltsam, aus mehreren Perspektiven geschrieben und mit interessanter Motivation für den zukunftsvoraussehenden Helden. Sehr gut.
Hurley, Kameron: The Judgment of Gods and Monsters [Kurzgeschichte]: Wie geht man nach dem Krieg mit den KämpferInnen um? Interessantes, wenn auch brutales, Konzept.
Jacobs, Jane: The Death and Life of Great American Cities: Stadtplanungskritik aus den frühen 60ern gegen die damalige Lehrmeinung. Inhaltlich kann ich das schwer beurteilen, aber es gab mir interessante Einblicke darin, was in den 50ern/60ern zumindest teilweise noch "normal" war.
Leiber, Fritz: The Big Time [Hugo 1958]: Kammerspiel in einer Bar, die außerhalb von Zeit und Raum als Erholungsgebiet für Kämpfer in einem Zeitreisekrieg dient. Kuriose Welt, interessante Charaktere, und kurz ist es auch noch. Ok.
Leiber, Fritz: The Wanderer [Hugo 1965]: Plötzlich taucht über der Erde ein violett-gelber Planet auf. Durch die starke Gravitation zerbricht der Mond, und seine Einzelteile werden in den Planeten eingesaugt. Auf der Erde brechen Vulkane aus und die Gezeiten werden viel stärker, was zu vielen Toten führt. Beleuchtet werden die Ereignisse aus der Sicht vieler verschiedener Personen, die über die Welt verteilt sind, und von Astronauten und einem entführten Mann auf dem Alienraumschiff/-planeten. Die Teilgeschichten sind sehr unterschiedlich und beleuchten ganz gut verschiedene Verhaltensweisen, die in Ausnahmesituationen auftreten könnten; die ganze Geschichte ist ein bisschen beliebig... Die Außerirdischen sind große telepathische Katzen, die letzten "Freien", der Rest des Universums ist sehr stark reglementiert und sie sind auf der Flucht, dabei aber nicht sehr rücksichtsvoll. Mit viel Fantasie und groß erzählt und auch mit menschlichen Seiten, schon lesbar... aber es hat mich trotzdem etwas kalt gelassen. Besonders strange fand ich eine Szene, wo eine der Gruppen durch eine Straßensperre kommt, weil sich einer der Mitfahrenden als KKK Mitglied zu erkennen gibt.
Niven, Larry: Ringworld [Hugo 1971]: Zwei Menschen und zwei unterschiedliche Aliens reisen in ein Sonnensystem mit einem großen künstlichen Ring um die Sonne, der so viel Platz bietet wie 3 Millionen Erdoberflächen. Die Zivilisation dort ist untergegangen und nach einer Bruchlandung erforschen sie die Welt in der Hoffnung, wieder wegzukommen. Das erste Drittel war eine interessante Einführung in die Gesellschaft der Menschen in dieser Zukunft und die Aliens, der Großteils des Rests vom Buch waren dann Abenteuer auf der Ringwelt. Diese Abenteuer fand ich nicht so interessant. Es gab ein paar nette Ideen im Buch, aber insgesamt war es grad "ok" für mich.
Simak, Clifford D.: Way Station [Hugo 1964]: Ein Mensch lebt schon, sehr lang, als lokaler Betreuer eine Raststation für interstellare Reisende. Auf einmal kommen mehrere Ereignisse zusammen - er greift bei einem Problem in der Nachbarschaft ein, Aliens bemängeln ein Problem, das auf der Erde passiert sein soll, und die Erde steht kurz vor einem großen Krieg. Kann er die Station, seinen Job und die Erde erhalten? Weite Teile haben mir gut gefallen, nur seine eingebildeten Freunde hab ich nicht wirklich gebraucht. Ok.
Smith, Cordwainer: Sternträumer [Kurzgeschichtensammlung]: Sonderbar, ich mag die Art der Erzählungen und wie ein ganzes Weltall mit seinen Details über mehrere Erzählungen aufgespannt werden, aber die Geschichten selbst sind eigentlich meistens gar nicht so gut.
Turton, Stuart: The Seven Deaths of Evelyn Hardcastle: Sehr schön konstruierte Detektivgeschichte, mit Body-Swapping und Zeitreise. Ich war von Anfang an gespannt, wie das weitergehen wird und hab es sehr schnell gelesen. Sehr gut!
Weinstein, Alexander: Universal Love: Kurzgeschichtensammlung, bei denen Ideen weitergesponnen werden; hat mich von der Art her an Ted Chiang erinnert, der aber weiterhin ungeschlagener Meister bleibt. Hat mir sehr gut gefallen.
Zelazny, Roger: Lord of Light [Hugo 1968]: Ehemalige normale Menschen haben sich fast zu Göttern weiterentwickelt und hindern eine Menschenpopulation daran, es ihnen nachzumachen. Einer der Götter lehnt sich gegen die anderen auf, da er meint, dass alle Menschen sich so weiterentwickeln dürfen sollten. Spannende und interessante Mischung aus SF, Hinduism und Buddhismus. Stilistisch etwas gemischt, sehr blumige Absätze und dann wieder normale Gespräche, das macht es teilweise etwas langsamer zu lesen. Hat mir gefallen.
Dune hab ich schon im Regal stehen! Zu Red Rising - schade, dass es dir nicht gefallen hat, ich bin ja großer Fan dieser brutalen, römischen Kriegsführung im All - was auch immer das jetzt über meine Persönlichkeit sagt ^^
AntwortenLöschen