Noch nicht genug Sonne und zu viel Lockdown. um viel draußen zu sein, dafür wenigstens viel gelesen. Und es waren ein paar Highlights dabei – "Babel-17", "Girl, Woman, Other", "Echo Wife", "Last Samurai", "Alte weiße Männer" – schaut euch an, ob euch was davon gefallen könnte!
Bernhard, Thomas: Im Keller: Bernhard erzählt seine Entscheidung zu einer Kaufmannslehre, anstatt weiter ins Gymnasium zu gehen, und die Anfänge seiner Ausbildung zum Sänger. Teilweise etwas repetitiv, aber eigentlich hat das nicht gestört, und an die "Scherzhauser Feldsiedlung" werde ich mich vermutlich noch lange erinnern. Großteils hat es mir sehr gut gefallen.
Bishop, Michael: No Enemy But Time [Nebula 1983]: Ein Adoptivkind träumt sehr intensiv immer von derselben Zeit, der Zeit der ersten Menschen. Er bekommt die Möglichkeit, mit einer Zeitmaschine dorthin zu reisen und dort zu leben. Seine Erlebnisse dort werden vermischt erzählt mit seiner Geschichte von Kleinkinds an. Einige Elemente machen das ganz ziemlich schwer erklärbar. Interessanter Ansatz zu Zeitreisegeschichten; hätte stilistisch und inhaltlich auch deutlich später geschrieben sein können - nicht alles in den 80ern war schlechte SF :) Es ist aber auch eher langsam geschrieben und hat sich manchmal auch ein bisschen gezogen.
Delany, Samuel R.: Babel-17 [Nebula 1967]: Eine Dichterin wird vom Militär engagiert, einen Code zu brechen - oder ist es eine Sprache? Sie will mehr herausfinden, weil sie glaubt, dass das Beherrschen einer Sprache die Wahrnehmung verändert und diese sich anfühlt wie keine, die sie kennt. Coole Mischung aus Linguistik und SF.
DeWitt, Helen: The Last Samurai: Eine hochbegabte Frau, die mit Gelegenheitsjobs durchkommt, zieht ihr ebenfalls hochbegabtes Kind auf und bringt ihm in jüngsten Jahren schon verschiedene Sprachen dabei. Das Kind sucht seinen Vater und begegnet dabei allerhand interessanten Figuren. Insbesondere haben mir die vielen vorkommenden Sprachen gefallen, aber auch die Charaktere waren sehr interessant. Sehr gut!
Evaristo, Bernardine: Girl, Woman, Other: Jeweils aus der Innensicht werden verschiedene (hauptsächlich) Frauen dargestellt, die auch einander kennen; damit bekommt man auch das Außenbild. Alle haben ihre Probleme, die meisten sind aus der Innensicht auch (für mich) nachvollziehbar dargestellt, aber wirklich gut wegkommen tun wenige. Hat mir sehr gut gefallen, war auch packend beim Lesen.
Gailey, Sarah: American Hippo: Vier Kurzgeschichten im selben Setting mit den selben Hauptfiguren (mehr oder eher weniger legale Berufe ausübende, die gemeinsam etwas unternehmen). Das Setting ist die amerikanische Cowboyzeit, nur mit Nilpferden als Pferdeersatz, und der Auftrag in der längsten Geschichte des Buches ist, einen Teil eines Flusses von den dort wild lebenden, sehr gefährlichen Nilpferden zu befreien. Die Charaktere sind interessant und divers (eine Person ist ein "They") und die Handlung spannend, was will man mehr bei leichter Unterhaltung für zwischendurch?
Gailey, Sarah: The Echo Wife: Eine Frau hilft ihrem Klon, den Mord an ihrem Exmann zu verbergen. Dabei entdeckt sie auch viel über sich selbst. Eigentlich geht es aber wohl eher um Unterdrückung in Beziehungen. Nicht leicht zu lesen, aber sehr gut.
Graeber, David: Debt. The First 5,000 Years: Historische Abhandlung über Schulden im Lauf der Zeit, und wie sich die Wirtschaft von einem Kreditsystem zu einem geldbasierten System entwickelt hat, mit allerlei Zwischenstufen und Rückentwicklungen. Außerdem behandelt es auch den Zusammenhang zwischen Schulden und Sklaverei. Ich fand die historische Einblicke interessant, aber mir waren teilweise die eigentlich Unterschiede zwischen den gegenübergestellten Systemen oder manchmal auch Entwicklungen nicht klar. Kann natürlich auch an mir liegen. Mir war auch nicht immer klar, was er eigentlich als besseres System sieht oder als Lösung vorschlägt, es ist wohl eher eine Problembeschreibung.
Klune, TJ: The House in the Cerulean Sea: Nette Geschichte über ein Waisenhaus mit magiebegabten Kindern, und den Beamten vom Magieamt, der prüfen soll, ob alles passt. Dabei lernt er die Kinder und die Insel kennen und lieben. Ich hab die ganze Zeit auf die großen Konflikte oder Probleme gewartet, aber es kamen keine. Dafür schöne und sehr diverse Charaktere. Nett, aber ich glaub ich werde es bald wieder vergessen.
Mortimer, Ian: The Time Traveller's Guide to Medieval England: Nach dem Titel hab ich mir deutlich mehr erwartet - das Buch hat sich leider nur ein paar Themen ausgesucht und dazu beschrieben, wie die Lage damals war (z.B. Frauenrechte oder Sauberkeit). Als Handbuch zum Durchkommen reicht das weitaus nicht. Ich geb zu, vielleicht hab ich den Titel auch zu wörtlich genommen...
Nguyen-Kim, Mai Thi: Komisch, alles chemisch!: Kurzeinführungen in Chemie im Alltag, nett geschrieben, aber fast durchgängig gefühlt Oberstufenstoff. War mir zu wenig Neues.
Panshin, Alexei: Rite of Passage [Nebula 1969]: Auf einem Generationenschiff, das sich der strikten Populationskontrolle unterworfen hat, gibt es eine Erwachsenwerdensritual, wo die Vierzehnjährigen auf einer zufälligen Welt ausgesetzt werden und 30 Tage alleine überleben müssen. Wir begleiten ein Mädchen in den Jahren kurz davor und wie es seine eigene politische Einstellung entwickelt. Ok, aber ein bisschen fad.
Passmann, Sophie: Alte weiße Männer: Eine junge Feministin führte einen Sommer lang Gespräche mit verschiedenen Männern aus Politik und Wirtschaft über Feminismus. Sehr sanfter sarkastischer, selten auch Leicht bissiger Untertan, sehr unterhaltsam und ernüchternd.
Passmann, Sophie: Frank Ocean: Autobiographische Erzählung aus einer Depressionsphase und generell über ihre bipolare Störung, aufgehängt an einem Album von Frank Ocean. Teilweise interessante Einblicke, teilweise nichtssagend. Sehr kurz. Die AwM haben mir deutlich besser gefallen.
Ronnefeldt, Caroline: Quendel [Quendel 1]: Wesen, die ich irgendwie mit Hobbits vergleichen würde, leben in einem ruhigen kleinen Dorf. Einer bricht auf, eine Karte des gemiedenen Walds zu zeichnen und allerlei unheimliche Ereignisse häufen sich. Gute Beschreibung des Dorfs und der Charaktere, aber ich bin leider nicht hineingekommen.
Silverberg, Robert: A Time of Changes [Nebula 1972]: In einer Gesellschaft, in der man nicht von sich in der Ichform redet, stößt ein Königssohn auf eine Droge, die beschränkte Telepathie erlaubt und will die Gesellschaft ändern. Das Buch ist nicht lang, aber das erste Drittel kann man aus meiner Sicht trotzdem streichen, weil es weder die Gesellschaft noch die Hauptperson gut rüberbringt. Die anderen zwei Drittel sind aber leider auch nicht besser. Nichts für mich.
Suter, Martin: Alles im Griff: Vignetten, die zusammen eine Geschichte über das Verhalten von hauptsächlich Managern in einer mittelgroßen Firma offenbaren. Eigentlich liest es sich wie Tratsch. Unterhaltsam.
Ich finds immer super interessant deine Posts zu lesen, da oft ganz spezielle Bücher vorkommen, die mir so noch nicht ungerkommen sind! =) Danke fürs Teilen!
AntwortenLöschen"[...] das erste Drittel kann man aus meiner Sicht trotzdem streichen, [...]. Die anderen zwei Drittel sind aber leider auch nicht besser." Großartig!
AntwortenLöschenOh ja, die Formulierung hat mich auch sehr glücklich gemacht 😁
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