Grad noch rechtzeitig bin ich mit den letzten Büchern, die mir vom Nebula-Award noch gefehlt haben, fertig geworden. Falls ihr mir das Awardlesen nachmachen wollt – lest den Nebula-Award zuerst, da waren mehr Bücher dabei, die mir sehr gut gefallen haben, und weniger, die mir gar nicht gefallen haben, als beim Hugo.
Ich hab zwar schon geschaut, was es sonst noch für Awards gibt, aber derzeit hat mich keiner überzeugt, ich glaube, ich les jetzt erst mal "irgendwelche" Bücher :)
Bear, Greg: Darwin's Radio [Nebula 2001]: Biothriller - unbekannte virenähnliche Verursacher veranlassen plötzliche Veränderung in Menschen, wie es das letzte Mal beim Übergang von Neanderthaler zum Menschen passiert ist. Das Geschehen entwickelt sich aus mehreren Perspektiven, bis klar ist, was passiert, dann geht es hauptsächlich um die sozialen und politischen Reaktionen darauf. Das macht den zweiten Teil des Buches aus und den fand ich nicht sehr spannend, weil sehr vorhersehbar. Nicht so meins.
Ebenbach, David: How to Mars: Sechs Leute sind über ein Gameshowformat ausgesucht worden und auf den Mars geflogen, um dort zu bleiben. Entgegen aller Regeln und Vernunft bekommen zwei davon (ungeplanterweise) ein Kind. Humoristische Sammlung von Vignetten über die weiteren Erlebnisse der Marsbewohner, unterbrochen durch Auszüge aus dem Mars-Handbuch, das ihnen mitgegeben wurde. Etwas abruptes Ende. Lieb.
Haldeman, Joe: Camouflage [Nebula 2006]: Nicht ein, sondern sogar zwei einzelne gestaltwandelnde Aliens leben seit Jahrtausenden auf der Erde und mischen sich unter die Leute. Als ein offensichtlich außerirdisches Artefakt gefunden wird, interessieren sich beide dafür. Für ein Buch über Aliens ging es mir eindeutig zu viel um brutale Menschen, und auch detaillierte Exkurse, wie man eine Identität fälschen oder sich einen Pass besorgen kann, fand ich ein bisschen fehl am Platz.
Hillenbrand, Tom: Montecrypto: Ein Crypto-Millionär stirbt bei einem Flugzeugabsturz. Seine Schwester beauftragt einen Privatdetektiv, herauszufinden, ob er noch irgendwo Bitcoins oder ähnliches versteckt hat. Spannender Nahzukunfts- (bzw. eigentlich jetzt-Zeits-) Krimi mit sehr starkem Kryptowährungsbezug. Gut, aber seine "Drohnenland"-Welt fand ich faszinierender.
Larceney, Manu: Der alltägliche Kampf: Graphic Novel über einen ehemaligen Kriegsfotografen mit Angststörungen, der sein Leben neu ordnen will, seine Beziehung, seine Eltern, und seine Kindheit. Ok.
Le Guin, Ursula: Powers [Nebula 2009]: Alternativweltgeschichte angesiedelt in einer ca. römischen Zeit. Aus der Sicht eines gebildeten Sklaven wird dessen Jugend und Flucht erzählt. Dabei erlebt er viele Arten von Macht, die Leute übereinander haben; seine eigene Kraft der Vorhersage ist dabei noch eine der schwächeren. Eigentlich geht das Buch wohl eher über Sklaverei und Unterdrückung. Gut geschrieben, aber nicht wirklich neue Inhalte.
McDevitt, Jack: Seeker [Nebula 2007]: In der fernen Zukunft sind die Hauptfigur und ihr Kollege auf der Suche nach Artefakten aus der Vergangenheit - nicht für Museen, sondern um sie an Sammler zu verkaufen. Sie stoßen auf eine Tasse, die anscheinend von einem Raumschiff kommt, das vor Jahrtausenden verwendet wurde, eine inzwischen verschollene Kolonie zu besiedeln, und versuchen daraufhin, das Raumschiff und vielleicht sogar die Kolonie zu finden. Sehr packend geschrieben, großes Weltall, gute Unterhaltung.
Parker, K. J.: Inside Man: Ein Teufel ist wegen traumatischer Erlebnisse auf einem Versorgungsposten, als er auf einmal wieder in etwas Größeres hineingezogen wird ... sehr unterhaltsam!
Passmann, Sophie: Komplett Gänsehaut: Einblicke in das Lebensgefühl einer Siebenundzwanzigjährigen und ihrer Gesellschaft. Teilweise erkenne ich Leute wieder, viel aber auch nicht - insofern interessanter Einblick in die Gesellschaft, zwischendurch aber auch ein bisschen fad.
Pinsker, Sarah: A Song for a New Day [Nebula 2020]: Aus zwei Perspektiven wird eine Zukunft erzählt, in der sich die Leute alle nach zu Hause zurückgezogen haben, und größere Treffen ganz verboten sind. Eine Musikerin versucht trotzdem noch, Liveshows zu organisieren; eine Angestellte eines Großkonzerns versucht, MusikerInnen zu finden und anzuheuern für Holo-Auftritte. Gut erzählt und es kommt viel Liebe zu Livemusik rüber.
Robinson, Kim: 2312 [Nebula 2013]: Das Sonnensystem ist besiedelt, viele Planeten/Monde/Asteroiden wurden und werden gerade besiedelbar gemacht. Auf Merkur starb die Herrscherin, und ihre Enkelin versucht, ihre Pläne weiterzuführen. Schön große Welt mit viel Ideen, wie sich die Menschheit im Sonnensystem ausbreiten könnte, allerdings in der Erwartung, dass einiges so bleiben wird wie es war und ist. Unterhaltsam, vielleicht ein bisschen schwaches Ende, aber das war nicht so wichtig.
Tanzer, Molly: Creates of Charm and Hunger [Diabolist's Library 3]: Wie ich nach dem Lesen herausgefunden habe (weil ich wissen wollte, ob es eine Fortsetzung gibt) ist das der dritte und letzte Teil einer Trilogie. Das gemeinsame scheint aber nur die Welt (bzw. das Magiesystem) zu sein, nicht die auftretenden Personen. In diesem Band geht es um zwei Frauen, die gemeinsam aufwachsen und beide Zauberinnen werden wollen, wozu man sich einen Dämonen in den eigenen Körper beschwört, und was sie machen, als sie ihr Abschlussprojekt (bevor sie Meisterinnen werden) anfangen. Das Ganze spielt zur Zeit des zweiten Weltkriegs, hauptsächlich in England. Lang nicht alle Handlungsstränge und Andeutungen werden bis zum "Ende" verfolgt, was für mich die Welt sehr groß und offen gemacht hat (es hat mich überhaupt nicht gestört, dass einiges offen bleibt). Das Buch hat mir sehr gut gefallen, ich hab es noch vor dem Einschlafen fertig lesen wollen, was eine sehr späte Nacht wurde.
VanderMeer, Jeff: Annihilation [Southern Reach 1] [Nebula 2015]: Eine Expedition aus vier namenlosen Leuten muss sich in einem verwilderten Küstengebiet zurechtfinden, in dem sich Übernatürliches breit gemacht hat. Interessante Stimmung. Gibt auch eine Netflixverfilmung, die ich noch nicht gesehen habe.
Zelazny, Roger: Nine Princes of Amber [Chronicles of Amber 1]: Ohne Erinnerungen wacht die übermenschliche Hauptfigur auf und wird schnell in Familienstreitigkeiten um den Thron verwickelt. Flotte Abenteuergeschichte, aber eher vergessbar.
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